Koh umkreist mich weiter und das Klicken seiner Füße hallt hundertfach verstärkt durch den Raum. Ich trete sichtlich nervös von einem Bein auf andere. Die Dunkelheit und die bedrückende Enge der Höhle machen mir zu schaffen. Wenn er mir doch endlich antworten würde!
„Wer hat euch hierher geholt Shinjo Njan-san? Ihr werdet nicht von selbst hier herein gekommen sein hmmm?“ Wiederum keine Antwort auf meine Fragen, doch was soll ich tun? „Es war dieser schweinsköpfiger Hexer.“ – „Ahhh Huni…“ Weiter umkreist mich die Tausendfüßler-Gestalt, stets ohne mich zu berühren und fährt immer wieder haarscharf an mir vorbei. Er schweigt. „Den Weg zu seiner Hütte zeigte uns Nimurai, ein Diener des Totenreiches und ins Geisterreich gelangten wir mit Hilfe eines kleinen Mädchens – Yui glaube ich.“ – „Ah ich dachte mir schon so etwas. Es ist klar, dass es Nimurai gar nicht gefällt, dass diese Tore offen sind.“ Wieder schweigt Koh und blickt mich nun aus dem mümmelnden Gesicht eines Kaninchens an. „Koh, ihr habt mir immer noch keine Antwort auf keine meiner Fragen gegeben.“ – „Und alle Antworten auf alle Fragen.“ - „Sagt mir doch endlich, wie ich meinen Bruder, wie ich meine Leute retten kann.“ – „Euer Bruder ist egal, schert euch nicht zu sehr um ihn. Er ist nicht wichtig und der Großteil eurer Leute ist bereits tot. Wichtig ist wer es war, der die Rolle öffnete!“ Ich schüttle den Kopf: „Nun gut Koh, wer war es? Wer hat dieses Übel über uns gebracht?“ – Das bemalte Puppengesicht blickt mich an, nachdem er die Pupille noch einmal geschlossen hat: „Ein Mann Name Yogo Junzo hat die Rolle geöffnet. Er ist in die Berge geflohen. Bei ihm müsst ihr beginnen um das Übel zu beenden. Dort beginnt der Weg. Wie ich bereits sagte: Alles hat seine feste Ordnung. Nur der Mensch kann sein Schicksal ändern.“ – „Und wie, Koh, schließe ich die Tore.“ Wieder umkreist er mich einige Male, als ich schon erneut fragen will, antwortet er mir endlich: „Ihr werdet Jade benötigen. Diese pflanzt ihr an den Portalen in den Boden. Euer Bruder ist ein Shugenja, er wird euch helfen können.“
Ich nicke. Endlich! „Gut. Danke Euch. Könnt ihr mich nun hier heraus bringen? Mich… und meine Begleiterin?“ – „Hmmm ja, Kiku-san…“ Er lacht: „Wenn ihr mir einen Gefallen tut, werde ich euch helfen?“ – „Und was wünscht ihr nun Koh?“ Wieder lässt die Antwort viel zu lange auf sich warten, bis er endlich antwortet: „Damit ich euch helfe, müsst ihr auch mein Schicksal ändern. Gebt dies eurem Diener Daisuke zu essen.“ Eine seiner Chitin-Klauen senkt sich vor mir herab und hält mir eine grünlich braune Kugel vor die Nase, die aus zusammengewickelten Blättern zu bestehen scheint. Ich überlege kurz, nachdem ich kurz angewidert zurückgetreten bin. Doch was soll ich tun? Der Arme unschuldige Junge! „Gut. Ich werd‘s tun.“ Ich nehme die Kugel, möglichst ohne den Geist zur berühren und stecke sie in eine Gürteltasche. „Ich werde Kiku holen.“ Er verschwindet mit einem Kichern in der Dunkelheit. Draußen hole ich Kiku und berichte ihr kurz von dem Vorgefallenen. Zusammen betreten erneut die dunkle Enge. Ich brauche eine quälende Ewigkeit um mich erneut vorwärts zu zwingen. Nur unter Kikus drängenden Worten und mit aller Überwindungskraft schaffe ich es die Höhle erneut zu betreten. Kiku hält Kohs Überraschungsversuchen besser stand, als ich und der Geist geleitet uns zu einer spiegelnden Wasserfläche durch die wir – als ein Tropfen von einem monumentalen Stalaktiten um den sich Koh windet auf sie fällt – hinüber ins Nigen-do gleiten lässt.
Kiku nimmt Stolz eine weiße Maske – wohl die Tsumis - an sich, die auf der Wasserfläche treibt. Sei meint sie sei ihre Trophäe. Gemeinsam schlagen wir rasch den Marsch ins Dorf ein. Die kalte Luft und das natürliche Licht sind Balsam für den geschundenen Geist. Selbst wenn die dichten Regenwolken immer noch am Himmel hängen. Schließlich breche ich das Schweigen: „Das was dort bei Tsumi geschah….“ – „Wir sollten nicht mehr darüber sprechen.“ Errötend blickt sie geradeaus. „Ihr meint wir sollten nicht drüber reden…? Ihr fandet es also absolut schrecklich?“ Sie hustet und wendet ihren Kopf weiter von mir weg und läuft nun feuerrot an. Sie sieht wunderschön aus! Ich grinse sie von der Seite an. „Was grinst ihr denn so dumm?“ – Ich grinse schelmisch weiter: „Wir sind nicht mehr bei Koh oder? – „Ach, haltet den Mund!“ - „Ist euch heiß Kiku?“ – Sie braucht einen Moment um zu überreißen, was ich meine: „Wir sollten im Angesicht des Todes wirklich nicht über so etwas sprechen! Es schickt sich nicht.“ – „Sprechen wir dann in einem anderen Angesicht weiter?“ Sie reckt mir die weiße Maske entgegen: „Redet mit der Maske, wenn ihr wollt!“ - Ich seufze betrübt: „Sie ist allerdings nicht annähernd so schön wie ihr.“ Ich merke, dass ich genau das Richtige gesagt habe, als ihr gerötetes Gesicht sich aufhellt und ein Lachen die Stille durchbricht. Es scheint mir, als fiele ein wunderschöner Kristall vom Himmel. Habe ich jemals etwas Schöneres gehört? Habe ich je etwas Schöneres gesehen als das Lächeln auf ihrem sonst so strengen Gesicht? „Ihr seid ein Dummkopf…Nikutai.“ - „So ich denn ein Dummkopf bin der euch zum Lachen bringt, will ich gerne einer bleiben.“ Ich deute eine Verbeugung an und Kiku…Kiku grinst mich an.
Im Haupthaus angekommen sieht es nicht gut aus. Khan und Daisuke sind abgearbeitet und müde. Knapp die Hälfte meiner Männer ist noch am Leben. Das Stöhnen und Ächzen der Kranken und das ekelerregende Würgen erfüllt die Luft über allem liegt der säuerliche Geruch des Erbrochenen und der dicke Dunst aus Schweiß und anderen Dingen. Khan erkundigt sich forsch wo wir waren und glaubt mir – wie erwartet – kein Wort von dem was ich ihm erzähle. Er unterbricht mich und nimmt sich Frechheiten heraus, die ihm – würde ich von ihnen berichten – mehr als eine schlimme Rüge einbringen würden. Erst als ich ihm eine Lügengeschichte aufbinde, gibt er sich zufrieden.
Kiku und der gute Daisuke, der froh über meine Rückkehr scheint, kümmern sich um die Kranken, während ich und mein Bruder die Portale schließen. Nur mit Mühe und seinen Fähigkeiten finden wir die Tore wieder. Natürlich haben wir keine Jade. Das Mädchen – Yui – erscheint am Rand des Waldes und drückt mir drei Ohrringe in die Hand. Die Geister sind mir wahrlich gewogen! Wir vergraben sie und hoffen aufs Beste. Das Schließen der Tore wird die Krankheit hier an diesem Ort eindämmen, doch beenden wird sie sie nicht.
Auch ich kümmere mich die nächsten Tage um die Kranken, folge den Weisungen Daisukes und Khans. Gewissenbisse plagen mich: Nachdem ich dem Jungen die Kugel zu essen gab, wälzt er sich am nächsten Morgen mit Bauchschmerzen hin und her. Ich koche Tee und kümmere mich um ihn so gut ich kann. Ich schulde dem Jungen viel und lasse ihn das merken. Ich habe ihm nicht erzählt woher die Kugel stammt, weiß selbst nicht was es damit auf sich hat. Kiku hat Recht, er würde es nicht verstehen.
Ein Ashigaru bedankt sich respektvoll bei mir, dass ich mich so um sie sorge. Ich lächele ihm freundlich zu und falle müde ins Bett. Der Einzige Sonnenstrahl dieser Tage ist, ist Kikus Gesicht, dass mir mit leicht geöffneten Lippen und schlafen entgegenblickt, als ich am nächsten Morgen erwache. Mein Bruder lästert abfällig, als er meine Verbundenheit zu ihr bemerkt. Nichts als Neid, das ist mir wohl klar. Ich habe doch bemerkt, wie sehr er ihr schöne Augen gemacht hat, als wir ins Dorf ritten. Ich schaffe es nicht ihm den Mund zu verbieten und lasse die uralten Sticheleien über mich ergehen.
Nach weiteren fünf Tagen ziehen wir aus dem verfluchten Dorf ab, das hinter uns in einer Wolke aus Flammen aufgeht. Kein Regen fällt mehr auf die gesenkten Häupter die ich wieder zurückführe. Tapfere Männer, die Kameraden und Freunde verloren haben. Meine Ehre scheint mir befleckt und ich trage jeden Tag erneut Kämpfe mit mir selbst aus. Zusammen mit Kiku lege ich mir einen Bericht zurecht. Den Namen Yogo Junzo werde ich als Angabe aus anonymer Quelle verwenden müssen. Vielleicht finden wir durch Fragen und Erkundigungen etwas darüber heraus. Dieser Name scheint sowohl ihr als auch meinem Bruder bekannt? Ein verbliebener Bastard des Verräter-Clans des Skorpions?
Wir baden in den eiskalten Wassern eines Flusses um uns vom Schmutz der vergangen Tage reinzuwaschen. Eine denkwürdige Begegnung findet am Schrein des Pferdes statt. Ich lade, während wir dort rasten, einen Ronin zum Essen ein, der sich als Ronin Ganko vorstellt. Er blieb zurück, während eine größere Gruppe Ronin abzog, als sie uns nahen sah. Der junge Mann, der etwa so alt wie ich ist, wahrhaft außergewöhnlich für einen Ronin. Nicht nur die aufwendige Rüstung, die denen der Drachen ähnelt – nein auch sein Werdegang und seine große Höflichkeit. Er sei von den Löwen zu den Drachen gekommen und kämpfe nun für sich selbst. Sein Wissen erstreckt sich über Bereiche, die normalerweise über die Bildung eines Gezeitenmannes hinausgehen. Er weiß das Omen zu deuten, als ein einbeiniger Rabe auf dem Schrein landet und die Männer in Angst und einen alten verwundeten Bauer – der von Überfällen berichtete, die ihm alles Namen – in die Flucht schlägt. Mein Angebot ihn mit uns zu nehmen, kann ich nicht mehr aussprechen und Daisuke kann nur sporadisch seine Wunden versorgen. Der Ronin deutet den Raben als Zeichen für einen üblen Ausgang der nächsten Schlacht, die wir schlagen werden.
Kurzerhand beschließe ich den Lebensmüden, wie er sich nennt, zu meinem Leibwächter zu machen. Er nimmt den Posten des Yojimbos an, während mich Khan, Kiku und Shinjo Masaru in entgeisterter Verwirrung anblicken. Ich habe ein unbestimmtes Gefühl, dass dies, die richtige Entscheidung ist und vertraue dem auf seltsame weiße sympathischen Ronin sofort. Meines Bruders Blicke scheinen mich töten zu wollen, als ich beginne respektvoll mit unserem neuen Begleiter zu sprechen.
Wir rasten des Abends im Dorf, dass sich „Hort des Drachen“ nennt und dem ein alter freundlicher Otaku namens Otaku Yoshio vorsteht. Freundlich und zuvorkommend bewirtet er uns und ist sehr betrübt, als ich ihm von unserem Schicksal erzähle. Ich spreche dem Sake reichlich zu, mein Yojimbo bleibt nüchtern.
Des nächstens weckt mich Daisuke, der im Schlaf wimmert. Doch als ich ihn aufwecke spricht er mit glühende Augen und der Stimme Kohs zu mir. Er warnt mich vor schlechter Gesellschaft und kommendem Übel, dann weicht er und Daisuke kann sich an nichts erinnern. Koh hatte wohl Recht - Es wird meinem Diener nicht schlechter gehen. Dafür wandelt er nun in unserer Welt. Ich lasse mir die Rüstung anlegen und spaziere – In Begleitung meines Yojimbos – durch die Stadt, bete am Schrein. Schließlich gehe ich schlafen, nicht wissend, was der nächste Tag bringen wird. Nicht ahnen, dass Koh recht behalten wird und der Rabe nicht umsonst flog.
Den Vormittag des nächsten Tages verbringe ich mit Einkäufen, bei denen ich ein wenig Schmuck von durchreisenden Händlern erstehe. Ein Geschenk für meine Zukünftige – Man will ja gute Miene zum bösen Spiel machen. Ganko macht mich auf einen der Händler aufmerksam, der einen Klingenwaffe zu tragen scheint. Ich lasse ihn sofort festnehmen und vereitle seinen Fluchtversuch. Einer der drei Händler entflieht, der andere wird ebenfalls festgenommen, doch kann man ihm nichts vorwerfen. Als ich das Zeichen der Waldmörder im Nacken des Mannes erkenne muss ich fluchen. Wir lassen die Etá aus ihm herausprügeln, dass ein Angriff geplant ist. Eine Truppe aus rund 70-80 Banditen lagert im nahen Wald. Wir versetzen das Dorf sofort in Kampfbereitschaft.
Khan reitet aus um die Ronin, die wir gestern sahen, zur Verstärkung zu holen. Ich versichere ihm, ohne ihn zu Recht zu kommen. Ich hoffe es!
Die Frauen, Alten und Kinder verschanzen sich im Haupthaus.
Im Osten, Norden und Westen postieren wir jeweils zwei Jäger des Dorfes als Späher.
Den Durchgang ins Hauptdorf sichern von Osten zehn Yari Ashigaru, sowie einige Bauerntruppen, der Herr des Dorfes und Shinjo Masaru.
Der Norden wird von einigen Nah- und Fernkämpfern aus den Reihen der Bauern gedeckt. Sie sollen die Auslösung einer Stampede verhindern.
Der Westen von meinen Schützen und einigen Bauern-Nahkämpfern, sowie Kiku. Die Brücke im Süden wird von meinem Yojimbo und zehn Yari-Ashigaru gedeckt.
Ich verbleibe auf Akemi auf dem Dorfplatz um von dort die Truppen zu koordinieren. Ganko versteht sichtlich mehr als ich, von der Planung von Schlachten.
Mit einem unguten Gefühl erwarte ich den Angriff, der mit einem Ablenkungsmanöver beginnt. Ein Signalpfeil sirrt durch die Luft und eine der Reisfarmen geht in Flammen auf. Der Bauer der zu seinem Haus rennen will, wird bestimmt zurückgehalten.
Signalpfeile sirren von Westen durch die Luft und die Männer beginnen bereits in ihrer Formation zu wanken. Aus dem westlichen Wald nahen rund vierzig schützen. Etwa ein Drittel beritten, die mit einem erbitterten Pfeilhagel beginnen. Kurz darauf stürmen mit wildem Geheul rund 40 Nahkämpfer durch das östliche Dorf. Einige von ihnen legen Feuer an den Außenbereich. Der Kampf hat begonnen.
Nur zu Beginn scheint das Schlachtenglück günstig. Schnell verlieren wir, ob der großen Übermacht die Oberhand und geraten zunehmend in Bedrängnis. Ich ziehe alle Truppen aus dem Norden ab und lasse sie im Osten attackieren. Kurz darauf schicke ich fünf Yari-Ashigaru sowie meine Yojimbo um ebenfalls dort zu kämpfen.
Doch selbst die mit enormer Geschwindigkeit herannahenden Ronin – die mein Bruder herbei holte - können den Ansturm von Osten kaum aufhalten. Khan selbst kämpft im Westen und schleudert seine Zauber gegen die Schützen. Die feindlichen Schützen, die versuchen die Häuser zu erklimmen, wirbelt er davon. Man kann erkennen, dass sich der Anführer der Banditen bei den Schützen befindet. Ein bärtiger muskulöser Mann, mit einer seltsamen Helm, der aus dem Fell einer großen Katze – wohl einem Puma – gefertigt zu sein scheint.
Die Verteidigung im Osten wird komplett nieder gemäht und mir gelingt es fünf der herannahenden Feinde mit meinen Pfeilen zu töten. Einen Hünen mit einem Zweihänder trifft es als ersten. Ein jeder Pfeil trifft sein Ziel und tut sein Werk. Alle Männer sind mittlerweile tot, verwundet oder geflohen. Nur Kiku, Khan und ich verbleiben. Blutüberströmt stürmt Ganko von hinten heran und attackiert die neun verbliebenen Nahkämpfer. Ich gewinne an Distanz und verschieße weiter Pfeile. Hauptsache, wir gewinnen. Alles andere scheint mir nun egal. Es ist Khan der die Schlacht schließlich entscheidet. Die feindlichen Schützen (die Reiter haben sich abgespaltet), sind bereits von fünf Ashigaru zermürbt, die ich ihnen in den Rücken schickte. In einer letzten gewaltigen Anstrengung, für die ich ihn unwillkürlich bewundere, schleudert er einige großen Felsbrocken durch die Luft, direkt auf die feindlichen Schützen. Letzte Pfeile prallen an ihm und seinem Ross ab – fallen vor ihm aus der Luft. Der Anführer kann sich nicht mehr in Deckung bringen und wird gefällt, mit einigen seiner Männer.
Als der Feind den Tot des Anführers bemerkt, bricht er in wilde Flucht aus. Zwei von ihnen werden von meinen Pfeilen niedergestreckt. Einige andere von den Angriffen Kikus, Khans und Gankos.
Die Schlacht ist gewonnen. Doch es war kein ruhmreicher Kampf. Ich fühle mich wie ein Versager. Ein Phyrrussieg. Ich habe Angst, so vor meine Vater zu treten: Als Nikutai, der seine Männer nicht schützen kann. Ich bin diesen Posten nicht wert – Doch oh ihr Ahnen! Ihr Kami! Was hätte ich anderes tun sollen? Wir waren in der Unterzahlt und weder Frauen noch Kinder kamen um…
Nur zwei Ashigaru und wenige Bauern können gerettet werden. Kiku ist verwundet und wird von Khan geheilt. Alle Samurai außer uns sind tot. Mit versteinerter Miene befehle ich den Frauen und Kindern die Feuer zu löschen, doch das östliche Dorf brennt fast gänzlich ab, samt dem Schrein. Die Pferdekoppel wurde ausgeraubt.
Die Bewohner, die alles verloren haben, werden auf die geflohenen warten, die vielleicht noch zurückkehren. Schließlich werden sie weiterziehen müssen, ein neues Heim zu suchen. Die Waffen der Toten werden gesammelt (Natürlich besonders die des Gefallenen Shinjo – Seine Familie soll sie bekommen).
Es werden Scheiterhaufen errichtet und Khan, der Ronin und ich sprechen Gebete für die Toten. Am Abend stehe ich vor den Feuern und blicke in die trüben Gesichter der Familien:
„Ich werde euch mit meinen Worten nicht trösten können. Das erwarte ich nicht. Ihr habt zu viel verloren an diesem Tag. Doch lasst uns nun, in dieser dunklen Stunde den Toten gedenken und lasst uns sie betrauern und ehren gleichermaßen.
Mein Respekt gebührt einem jeden tapferen Mann, der heute fiel und ich beuge mein Haupt vor Shinjo Masaru-sama, der mir ein guter Kamerad war und einen ehrenvollen Tod fand. Ehre und Ruhm, ihm und seinen Anverwandten. Ich verneige mich vor Otaku Yoshio-sama, der, obgleich er die Jugend bereits lange hinter sich ließ und dessen Bart grau geworden war, keine Sekunde zögerte um seine Pflicht für Familie, Clan und Kaiserreich zu tun. Er fiel im Kampf für die, die er zu schützen geschworen hatte. Ein ruhmvoller und glorreicher Tod, wie er einem Samurai und einem wahrhaft guten Ehrenmann gebührt. Er hat große Ehre über seine Familie gebracht. Vergesst ihr Andenken nicht und behaltet ihre Züge mit Stolz in euren Gedanken.“ Ich drehe mich mit starrem Gesicht um und marschiere in Richtung meines Zimmers. Ich weiß nicht ob ich schlafen können werde. Ich bin Shinjo Njan, Sohn von Shinjo Ruas-sama. Ich bin der Nikutai, der bei seinem zweiten Einsatz alle seine Männer in den Tod führte…
Bevor ich mich des Abends zur Ruhe bette, versichere ich der Frau des
ehemaligen Dorfherrn Unterstützung zu. Ich werde darum bitten, Siedler
zu schicken (unter den Flüchtlingen finden sich sicher Geeignete und
Willige), sowie einige Wachen. Ein Großteil der feindlichen Waffen und
Rüstungen, wird als Kriegsbeute aufgeladen, der Rest zur Verteidigung
zurückgelassen.
Die Reise nach „Toshi sano Kanemochi Kaeru“ verläuft
in weitgehendem Schweigen und recht ereignislos. Ich bin müde und
betrübt, darüber, wie sich die Dinge entwickelt haben. Nach einigen
Tagen ragen endlich die Mauern vor uns auf. Es herrscht geschäftiges
Treiben, wenn man die schweren Zeiten bedenkt. Besonders fallen mir
einige Ronin – wie ich mir von Khan erklären lasse, Mitglieder der Kaeru
Familie – auf, die mit etwa 3 Schritt langen durchlöcherten
Metallrohren bewaffnet sind. Sie scheinen sich hier zu sammeln um die
Lande zu schützen. Als wir an der Burg ankommen, werden uns die Pferde –
Akemi wird von Daisuke versorgt – und das Gepäck abgenommen und wir
machen uns auf dem Weg in den Thronsaal.
Müde und stockend kann
ich meinen Bericht vor dem Karô und meinem hinzugeholten Vater abgeben.
Ich berichte alles recht detailliert. Allerdings bringe ich nicht die
Kraft auf zu prahlen, habe absolut nicht das Bedürfnis danach und muss
mich zudem oft korrigieren. Ich muss den Karô davon überzeugen, dass das
Haupthaus der beste Lagerplatz war und besser als der Wald, die Zelte
oder die Mine. Auch meine Lüge, dass uns der durchreisende Bauer von
Yogo Junzo berichtet hätte, will er nicht glauben – Doch um mein
Versprechen an Kiku nicht zu verraten, bleibe ich dabei. Meine
Abwesenheit vom Haupthaus erkläre ich mit der Erkundung des Umlands.
Otaku Buraji hakt nach, fragt nach ob die Papiere, das Tagebuch des
Ronins und alles andere frei von der Seuche sind. Khan hilft mir aus der
Misere, indem er vorgibt, er hätte sie durch Segnungen gereinigt. Ich
füge hinzu, dass wir mithilfe seiner Fähigkeiten den Ort weitgehend
reinigen konnten. Auch der Bericht der Schlacht fällt detailliert aus.
Ich hebe besonders Khans Zauber heraus, der die Schlacht wendete. Die
Schwerter der gefallenen Samurai nimmt er ehrerbietig entgegen.
Der
Bericht hätte schlechter ausfallen können und ich bin erleichtert, als
er zu Ende ist. Kiku bedankt sich bei mir, für das Einhalten des
Versprechens, doch erwidert nur schwach mein Lächeln. Des Abends werde
ich für die Erfüllung meines Auftrags gewürdigt und offiziell zum
Nikutai erhoben. Das Gespräch mit meinem Vater fällt ebenfalls gut aus:
Nicht nur, dass er sich stolz auf mich zeigt, nein auch Kayoto-san
würdigt er freundlich. Er hakt nicht weiter nach, als ich ihm sage, dass
ich Gründe für meine Falschaussage habe. Was die Portale betrifft, von
denen ihm Khan berichtete, bleibe ich nebulös. Wir sprechen nur kurz
über Khan und ich lasse –nur leicht- durchblitzen, dass ich ihn für ein
wenig zu arrogant und respektlos gegenüber mir halte. Seine Anregung,
einen Jagdausflug zu veranstalten, nehme ich freudig entgegen.
Ein
Diener, der vor der Tür wartete, führt mich geheimniskrämerisch zu einem
Zimmer. Ich bin freudig überrascht, als ich anstatt meiner Zukünftigen,
die ich erwartete, meine Mutter, meine Schwester und meinen kleine
Bruder Eita wieder treffe. Diesen Abend gebe ich meinem Yojimbo frei.
Freudig schließ ich alle in meine Arme und liebkose besonders meinen
kleinen Bruder, den ich viel zu lange nicht mehr sah. Wir scherzen und
lachen ausgelassen und die Damen beginnen wild zu spekulieren, als ich
etwas davon durchsickern lasse, dass ich wohl verliebt bin. Mein kleiner
Bruder kann nicht mehr aufhören zu erzählen und erzählt stolz von
allem, was er gelernt und erlebt hat – er ist ein guter Junge. Seit
langem bin ich endlich wieder glücklich und kann die Lasten der
vergangene Tage vergessen. Erst als Eita auf meinem Schoß eingeschlafen
ist, trennen wir uns und gehen zu Bett.
Am nächsten Tag kaufe ich
Schmuck für drei Frauen und habe immer noch keine Ahnung wie ich es
zweien von ihnen erklären kann – ob ich es ihnen erklären soll. Nur
meiner Zukünftigen übergebe ich ihn selbst, Aikiko erhält ihn mit einem
kleinen Liebesbrief, Kiku unkommentiert. Ich treffe mich mit meiner
Zukünftigen, die mich davon überzeugt, nur sie und keine andere
Samuraiko, außer ihren Bewacherinnen, auf den Ausflug mit mir zu nehmen.
Wie stets nimmt sie kein Blatt vor den Mund und ich unterliege –
natürlich. Auf der Reise wird sie mit Daisuke reden, von dessen
besonderen Fähigkeiten ich ihr berichtete. Natürlich, will sie ihn,
nachdem sie seine Begabungen feststellt sofort für sich – doch ich
bezweifle, dass ich bereit bin das zu tun.